Italien: Wenn 13.000 Bewerber um 25 Krankenpfleger-Jobs buhlen

Ein Mailänder Spital erlebt derzeit Szenen wie bei einer TV-Castingshow. Vor allem Junge haben es auf dem italienischen Arbeitsmarkt schwer.

Wenn sich 13.000 Menschen für 25 Stellen bewerben, handelt es sich in der Regel um einen besonders begehrenswerten Job. Dass in Italien mittlerweile fast jede Anstellung besonders begehrenswert ist, konnte man am Freitag in Mailand erleben, wo es zu Szenen kam, die man sonst nur von TV-Castingshows kennt. Der Preis: Ein Jahresbruttogehalt von 37.000 Euro und ein Job als Krankenpfleger im Mailänder Krankenhaus Niguarda. Zwei Drittel der Kandidaten stammen aus Süditalien. Sechs Universitätssäle wurden für die schriftliche Prüfung – der ersten Hürde – gemietet. 50 Personen sorgen für einen reibungslosen Verlauf des Massenwettbewerbs.

Die italienische Arbeitslosigkeit ist nach Rückgängen im Dezember und im Jänner wieder gestiegen. Im Februar waren 3,24 Millionen Italiener – oder 12,7 Prozent – auf Jobsuche. Besonders dramatisch ist die Situation bei der Jugendarbeitslosigkeit: Sie kletterte auf 42,6 Prozent.

Große Arbeitsmarktreform soll Erfolge bringen

Die Regierung des jungen Premiers Matteo Renzi hat es zu einem ihrer zentralen Ziele erklärt, die hohe Arbeitslosigkeit zu senken. Ende 2014 hat sie ein großes Arbeitsmarktpaket verabschiedet, das bei der Gewerkschaft auf heftigen Widerstand gestoßen ist. Denn um die Unternehmer zu mehr Anstellungen zu bewegen, wurde der strenge Kündigungsschutz gelockert. Zudem beschloss die Regierung Steuerentlastungen für unbefristete Arbeitsverträge.

Die Notenbank befürchtet allerdings, dass die Zahl der Arbeitslosen trotz einiger Signale des Wirtschaftsaufschwungs, die Italien nach über drei Jahren Rezession zu spüren bekommt, in diesem Jahr nicht sinken wird.

Kampf gegen die Krise

Seit Jahren kämpft das hoch verschuldete Italien gegen die Krise. Dass sich die Situation verschlechtert, ist auch an den Bewerberzahlen des Mailänder Niguarda-Spitals abzulesen: 2012 bewarben sich bei einem ähnlichen Aufnahmeverfahren „nur“ 5000 Personen – für 80 Jobs.

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